ASCERI ... eine Europäische Sportgemeinschaft

1966 kamen die Fußballspieler aus dem deutschen Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) auf die Idee, im Rahmen des Betriebssportes einmal gegen Mannschaften anderer, an der Kernforschung beteiligter Forschungszentren Fußball zu spielen. Darum lud man Fußballmannschaften aus 6 deutschen Zentren für den 2. Juli 1966 zu einem "Reaktoren-Fußballturnier" nach Karlsruhe ein.

Dieses Turnier war ein großer Erfolg, und schon im nächsten Jahr 1967 trafen sich die Fußballer bei der KFA-Jülich. Hierzu wurden auch Mannschaften von Forschungseinrichtungen aus anderen europäischen Ländern eingeladen. Darum erhielt dieses Turnier nun den Namen "Internationales Reaktoren-Fußballturnier (IRF)".

Das "3. IRF" wurde 1969 auf Einladung von EURATOM-Karlsruhe in Karlsruhe veranstaltet.

1972 fand solch ein Turnier in Österreich statt, und zwar lud das Forschungszentrum Seibersdorf zum gemeinsamen Fußball- und Tischtennisspielen ein.

1973 wurde dieses Fußballturnier auf Einladung der KFA-Jülich unter der Federführung des Vorsitzenden der dortigen Betriebssportgemeinschaft, Heinz Rhein, auf 9 Sportarten ausgedehnt. 13 Forschungsinstitute aus 5 Ländern waren an diesem großartigen Sporttreffen mit 540 Personen beteiligt, das den Namen "ATOMIADE" erhielt. Abgeleitet ist dieser Name aus der Kern-("Atom"-)forschung, dem Tätigkeitsbereich der eingeladenen Forschungszentren.

Von nun an fanden die Sportbegegnungen mit einer gewissen Kontinuität statt: Jährlich einmal treffen sich die Fußballer, und alle drei Jahre wird eine ATOMIADE ausgerichtet.

Weil immer mehr Forschungseinrichtungen sich nun inzwischen an diesen Sporttreffen beteiligten, bestand dringender Bedarf nach Ordnung, Planung und Disziplin für den terminlichen und organisatorischen Ablauf von Sportbegegnungen zwischen den Mitarbeiterinnen und den Mitarbeitern der europäischen Forschungseinrichtungen. Es wurde eine Person gesucht, die bereit war und die bestimmte Voraussetzungen mitbrachte, den organisatorischen Ablauf von Sportbegegnungen europäischer Forschungseinrichtungen zu garantieren und der Ansprechpartner für die an diesen Sportbegegnungen beteiligten Sportgemeinschaften sein konnte.

Da der Delegierte des Forschungszentrums Jülich, Heinz Rhein, den Vorsitz der dortigen Betriebssportgemeinschaft in andere Hände gegeben hatte und nach der Meinung der Delegierten der richtige Mann war, wurde er anläßlich des Delegiertentreffens beim 10. IRF am 27. Mai 1978 in Mol als Koordinator der künftigen Sportbegegnungen zwischen den europäischen Forschungseinrichtungen gewählt.

Mit der Unterstützung aller Sportgemeinschaften in den europäischen Forschungseinrichtungen begann Heinz Rhein seine Arbeit als "Koordinator für Sportbegegnungen Europäischer Forschungseinrichtungen" (KSEF) am 27. Mai 1978.

Bei jedem der Sportbegegnungen findet ein so genanntes Delegiertentreffen statt, bei dem Probleme auch allgemeiner Art, die diese Sportveranstaltungen betreffen, diskutiert werden. Leider fehlte immer die Zeit, alles bis ans Ende auszudiskutieren und zu entscheiden, und so entstand anläßlich des 13. Fußballturniers 1981 in Garching der dringende Wunsch nach einem von den Sporttreffen terminlich unabhängigen Delegiertentreffen. Herr Helmut Karl, der Bürgermeister der Stadt Garching, stellte darum Räumlichkeiten und Mittel zur Verfügung, ein außerordentliches Delegiertentreffen zu veranstalten, zu dem Heinz Rhein für Oktober 1981 einlud. 13 Delegierte aus 6 Ländern nahmen an diesem "1. Delegierten-Arbeitstreffen der Sportgemeinschaften Europäischer Forschungseinrichtungen" (1. DATEF) teil.

Zunächst wurden diese Delegierten-Arbeitstreffen nur bei Bedarf einberufen, aber seit 1989 gehören auch sie zu einer ständigen, jährlich wiederkehrenden Veranstaltung.

Im Jahre 1981 wurde erstmals als zusätzliches Sportangebot eine Winter-ATOMIADE durchgeführt. Das französische Forschungszentrum ILL-Grenoble hatte nach Chamrousse eingeladen, und 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 5 Forschungszentren aus 4 Ländern waren dieser Einladung gefolgt. Diese Winter-ATOMIADEn finden nun ebenfalls alle drei Jahre alterierend zu den Sommer-ATOMIADEn statt.

Immer mehr Sportarten kamen in das Angebot dieser beiden ATOMIADEn hinzu. Man brauchte ein gemeinsames Regelwerk, in dem die Organisation der Sportbegegnungen, aber auch der Austragungsmodus einzelner Sportarten festgelegt war, und so wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden der Betriebssportgemeinschaft HMI-Berlin, Gunther Herdam, anläßlich des 3. DATEF am 27. März 1987 in Karlsruhe ein gemeinsames Regelwerk unter dem Namen "Vademecum" vorgestellt. Es wurde erstmals im Dezember 1987 an alle europäischen Forschungseinrichtungen verteilt, die dieser europäischen Vereinigung der Sportgemeinschaften angehören. Es wird ständig erweitert und von Gunther Herdam gepflegt.

Inzwischen ist dieses Vademecum nicht nur in der deutschen Sprache verfügbar, sondern es ist auch in die englische und französische Sprache übersetzt worden. Auch hier wird die Pflege in diesen Sprachen von Gunther Herdam koordiniert.

Fachausschüsse für einzelne Sportarten wurden ebenfalls anläßlich dieses 3. DATEFs gegründet, um die Arbeit des Koordinators zu unterstützen und zu erleichtern.

Heinz Rhein erkannte sehr bald, dass der Name "Europäische Sportveranstaltungen" nur halb diesen Namen verdient, solange die Sportler aus den Ostblockstaaten sich an diesen Sporttreffen nicht beteiligen konnten. Er knüpfte 1985 Kontakte zum Forschungszentrum KFKI in Budapest, und schon im Jahre 1986 lud darum der Sportverein "Petöfi" dieses ungarischen Forschungszentrums unter der Leitung von Julius Tímár und Balázs Bencze zu einem Fußballturnier für Alt-Herren-Mannschaften nach Budapest ein. Damit waren auch die Kontakte zu den osteuropäischen Nachbarn hergestellt.

Zu einem weiteren Fußballturnier im Jahre 1989 in Budapest kamen dann auch Sportler aus der Sowjetunion, der CSSR und aus der DDR dazu, um gemeinsam mit den westeuropäischen Sportlern um den begehrten Wanderpokal Fußball zu spielen. Hier wurde der KSEF Heinz Rhein zu einem Kontaktbesuch in das Kurchatov Institut nach Moskau für Dezember 1989 eingeladen. Er führte dort sehr erfolgreiche Gespräche für die Beteiligung der russischen Zentren an künftigen Sportbegegnungen.

Bereits ein Jahr später reisten 4 Mannschaften aus dem westlichen Teil Europas nach Moskau, um im Dezember 1990 an einem Hallenfußballturnier mit insgesamt 6 Mannschaften teilzunehmen, das vom Kurchatov Institut organisiert worden war.

Erstmals konnten 1990 dann nach Durchlässigkeit der Grenzen zu den Ostblockstaaten auch Sportler aus diesen Ostblockländern zum 22. Fußballturnier in Berlin nach West-Europa reisen.

Die Einbindung der russischen Freunde in die Sportbegegnungen Europäischer Forschungseinrichtungen wurde endgültig vollzogen, als wiederum das Kurchatov Institut 1992 das Internationale Tennisturnier (8. ITEF) für 14 Mannschaften, davon 11 aus West-Europa, in Moskau organisierte.

1992 wurde anläßlich eines DATEFs in Pierrelatte (Frankreich) zur Unterstützung und Arbeitserleichterung des Koordinators eine Vize-Koordinatorin gewählt: Mme Michèle Ulma von ASCEA-Saclay.

Seit 1998 hat nun auf Vorschlag von Gunther Herdam, HMI-Berlin, diese Vereinigung der Sportgemeinschaften Europäischer Forschungseinrichtungen einen einprägsamen Namen erhalten: ASCERI:
Association of the Sports Communities of the European Research Institutes

Das Emblem von ASCERI zeigt drei Sportler, die von Elektronenbahnen eines stilisierten Atommodells umgeben sind.

Im Jahre 2000 ist Gunther Herdam vom HMI-Berlin zusätzlich neben Michèle Ulma zum Vize-Koordinator gewählt worden.

Im Jahre 2003 hat nun während der 11. ATOMIADE in Jülich Heinz Rhein nach 25 Jahren Amtszeit als Koordinator für die Sportbegegnungen Europäischer Forschungseinrichtungen das Amt des Koordinators abgegeben. Als sein Nachfolger wurde der bis dahin als Vize-Koordinator tätige Gunther Herdam vom HMI-Berlin einstimmig gewählt.

Neben Michèle Ulma hat nach der Wahl Hans-Günther Schneider von ITU-Karlsruhe das vakante Amt des Vize-Koordinators übernommen.

Zum besseren Verständnis auch für die französischen Zentren wurde 2007 das Amt des Koordinators in das eines Präsidenten, die Vize-Koordinatoren in Vize-Präsidenten umbenannt.

Es sind 36 Forschungseinrichtungen aus 13 europäischen Ländern dieser Vereinigung angeschlossen (s. Mitglieder).